B41

Bedeutende Figur eines Harlekins mit Bockspfeife, die „Musette de cour“ spielend

Meissen, Johann Joachim Kaendler, vor Dezember 1736 / Ohne Marke / Höhe 15cm
Schöne frühe Ausformung und Staffierung mit Vollmaske

Provenienz: Der Harlekin war Teil der großen Kaendler-Ausstellung in Schloss Wawel, Krakau (Magnificence of Rococo. 2024 Nr. 47, S. 210 f.)

Der in Schrittstellung seitlich auf einem Felssockel sitzende Harlekin trägt unter dem rechten Arm einen Blasebalg und unter dem linken eine Ziegenbockshaut mit dem Kopf, dem er mit beiden Händen eine Klarinette an das geöffnete Maul hält, um durch Drücken auf den Balg Luft hineinzublasen. Hinter dem Ziegenbock ist eine Öffnung angebracht, an der eine Oboe hängt. Der Komödiant wendet sein mit einer schwarzen Maske bedecktes Gesicht zur rechten Seite. Spitzer lila Hut, eisenrote Jacke mit in die nasse Farbe eingeritztem Punktmuster, seegrüne Hose und schwarze Schuhe.
Der groteske Aufzug des Harlekins mit dem seltenen Musikinstrument reflektiert die häufig derbe und burleske Komik des zeitgenössischen italienischen Theateraufführungen, die am Hof August III.
äußerst beliebt waren.

Das Modell – und diese Ausformung – gehört zu den frühesten figürlichen Modellen Kaendlers.
Die später so selbstverständliche Form des Lebkuchen- oder Rasensockels war noch nicht gefunden (Vgl. Willsberger/Rückert, Meissen, Farbtafel 87 S. 163, Text S. 261 f.).

Kaendler vermerkt im Dezember 1736: "1 Arlequin mit dem Pohlnischen Bock geändert und aufs neue zum abformen tüchtig gemacht." Im April 1746 wurde die Form, die wohl abgenutzt war, erneuert: "1 kleine Watteausche Figur, welche auf einem Bock spielet, repariert etc."
(Acevedo II Nr. 130 S. 57 u. Nr. 622 S. 216)

Wir kennen drei Abwandlungen dieses Modells (Acevedo a.a.O.):

  1. der Harlekin mit einer Gesichtsmaske wie bei dem hier abgebildeten Exemplar,
  2. ohne Maske (vgl. Acevedo II Nr. 130 S. 57) und
  3. etwas größer sowie mit einem Paßglas, aus dem er trinkt.

Weitere Ausformungen:

Literatur

Andres-Acevedo, Sarah-Katharina: Die autonomen figürlichen Plastiken Johann Joachim Kaendlers und seiner Werkstatt zwischen 1731 und 1748., Stuttgart 2023

Pietsch, Ulrich: Die Arbeitsberichte des Meissner Porzellanmodelleurs Johann Joachim Kaendler 1706 – 1775, Leipzig 2002

Pietsch, Ulrich: Die figürliche Meißner Porzellanplastik von Gottlieb Kirchner und Johann Joachim Kaendler., Bestandskatalog Staatliche Kunstsammlungen Dresden 2006

Rückert, Rainer u. Willsberger, Johann: Meissen. Porzellan des 18. Jahrhunderts., München 1977

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