Eichelhäher
Meissen Modell von Johann J. Kaendler, Oktober 1735
Ausformung von 1739
Unterglasurblaue Schwertermarke am hinteren Sockel
39,7 cm hoch
Nach rechts blickend
Provenienz: Ezra and Cecile Zilkha, New York
Meissen Modell von Johann J. Kaendler, Oktober 1735
Ausformung von 1739
Unterglasurblaue Schwertermarke am hinteren Sockel
39,7 cm hoch
Nach rechts blickend
Provenienz: Ezra and Cecile Zilkha, New York
Der Eichelhäher, oder der „Eichel Gabith“, wie seine historische Bezeichnung lautet, gehörte zur Grundausstattung des Japanischen Palais, innerhalb deren die königliche Menagerie aus großen Porzellanvögeln und -tieren eine prunkvolle Sonderrolle einnahm.
August der Starke wollte mit diesen Schöpfungen seiner einzigartigen Porzellanmanufaktur zeigen, dass sie den japanischen und chinesischen Porzellanen ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen waren.
Im Oktober 1735 hat Johann Joachim Kaendler das Urmodell des Eichelhähers im Auftrag des Königs geschaffen. In seinem Arbeitsbericht (Pietsch, S. 34, lfd. Nr. 2) heißt es:
„Ein Eigel gabich poussiret Welcher ins Königl. Balläis gehörig, ist Vorgestellet Wie er auf einem Großen Eigel Ast sitzet, Welcher mit Eigeln und Blättern Stark bewachsen ist, und sich eine Eigel abfrißet Welches sein Futter ist, so sind auch unter schiedliche Raupen, wie auch ein Pörner [Hirschkäfer (?) nach Wittwer] welche sich gerne auf den Eigel Bäumen auf halten, daran befindlich.“
In der Tat sind im Mai 1736 zwei Eichelhäher in das Japanische Palais geliefert (Wittwer, S. 218; Boltz, Keramos 153/1996, S. 96) und unter der Johanneumsnummer 356-W (Ziffer, S. 240) inventarisiert worden. Weitere Lieferungen sind offensichtlich nicht erfolgt. Im Inventar des Japanischen Palais von 1770 und in dem des Turmzimmers im Dresdner Schloss von 1779 fehlen die Eichelhäher.
1739 wurde das zunächst dem König exklusiv vorbehaltene Modell für den allgemeinen Verkauf freigegeben (Ziffer, S. 240), was durch die Aufnahme in die Preisliste der Manufaktur belegt ist. Dies war für Kaendler Anlass, sich 1739 erneut mit den Eichelhähern zu beschäftigen. Um die Exklusivität des königlichen Modells zu wahren, hat Kaendler bei dieser Gelegenheit in der Regel das Modell des Vogelkörpers beibehalten, jedoch die Gesamtgröße der Figur verringert. Bei unserem Vogel hat Kaendler schlicht den üppigen Busch aus Eichenlaub des Urmodells weggelassen und damit die Gesamtgröße um etwa 4 bis 5 cm auf knapp 40 cm reduziert. Er hat allerdings – anders als bei den späteren Ausformungen – den Stamm in seiner ursprünglichen, schlichten Ausstattung belassen. Dies trifft genau auf unseren Vogel zu. Wir können daher die Zeit der Ausformung unseres Exemplars genauer datieren, nämlich vor Oktober 1739.
Zwischen dem 1. Oktober 1739 und dem 31. Januar 1740 hat Kaendler sein Eichelhähermodell nochmals überarbeitet. Dies hielt er in seinem Arbeitsbericht sowie im sogenannten Feierabendbericht dieser Zeit fest (Pietsch, S. 63; Rafael, S. 32; Ziffer, a. a. O.):
„Eichel Gabicht ebenfalls in Lebens Größe, wie solcher auff einem Stock sizet, natürlich vorgestellet, neben dem Gabicht ist ein Eichhorn in Lebens Größe auf einem Ast sizend in Thon poußiret, nebst anderen daran befindl. Zierathen.“
„1. Eichel Gabicht gleichfalls auf dem Stocke sizend, nebem welchem ein Eichhorn in Lebens Größe auf einem Aste sizet, 5 Thlr.“
Kaendler stellte für diese Arbeit in seiner Taxa lediglich 5 Taler in Rechnung, da er das Modell selbst unverändert ließ und es lediglich durch das vollplastische Eichhörnchen ergänzte und weiter ausschmückte. Im Preis-Courant von 1765 (Berling, S. 199) war der „Eichel Gabicht“ mit 30 Talern eines der am höchsten bepreisten Porzellane der Manufaktur.
Vergleichsstücke (Paare)
Slg. Mrs. Charles W. Engelhard, Christies New York 18.03.2005 Nr. 38, Eichhörnchen und Vogelnest, 38,1 cm hoch, beide mit eingepresster “45”, 1740 = Kabinettstücke 2006 Nr. 28, laut Ziffer ein Vogel mit kobaltblauer Schwertermarke u. 39 cm hoch, 1739/40 = Slg. Rossi Sotheby’s 10.–12.03.1999
Metropolitan Museum of Art, Gift of Irwin Untermyer, 1964, Accession Number: 64.101.6, Hackenbroch 1956 Plate 1 Fig. 3 mit Eichhörnchen, Vogelnest und Maus, Pressnummern: 101 u. 25, 39,4 cm hoch, 1739
Slg. Ernst Schneider, Bayerisches Nationalmuseum in Schloss Lustheim, Inv.-Nr. ES 809-810, ein Paar, Eichhörnchen und Vogelnest, 39 cm hoch
Slg. von Pannwitz, Helbing 24.-25.10.1905 Nr. 354, 355, Eichhörnchen und Vogelnest, 40 cm hoch, “Meißen, älteste Epoche” = Lichthofausstellung, Berlin 1904 Nr. 415, 416 = Marquisa d’Edla, Lissabon