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18teiliges Meissen Tee- und Kaffee-Service im Original Koffer

Bemalt und signiert von Anna Elisabeth Wald, geb. Auffenwerth mit bunten umlaufenden Chinoiserien

Einzig komplett erhaltenes Service mit bunten Auffenwerth-Chinoiserien / Böttgerporzellan vor und nach der Marke um 1723 /24 / die Malerei um 1730 / mit dem Spiegelmonogramm von Anna Elisabeth Wald: “EAW” in der Malerei

Provenienz:
Slg. Pauls-Eisenbeiss, Riehen (Kat. 1972 Vol. I S. 384, 385); Elfriede Langeloh (Publikation 2010; Jubiläumspublikation 2019 Nr. 3); Deutsche Privatsammlung

Publiziert in Ducret u.a.: „Meissner Porzellan bemalt in Augsburg, 1718 bis um 1750.“ Bd. I: Goldmalereien und bunte Chinoiserien. Braunschweig 1971 Abb. 381 Farbtafel V

Unsere 18-teilige Garnitur im Lederkoffer ist eines der repräsentativsten noch existierenden Meissener Reise-Service aus Porzellan. Es ist das einzige vollständig erhaltene Tee- und Kaffeeservice aus frühem Böttgerporzellan mit polychromen Chinoiserien, das um 1730 von der Augsburger Malerin Anna Elisabeth Wald, geborene Auffenwerth, bemalt und signiert wurde.

Die Mode des Reise-Service entwickelte sich mit dem Import der neuen Heißgetränke: Tee, Kaffee und Schokolade. Gleichzeitig wuchs die Nachfrage nach Gold- und Silber-Toilettengarnituren in Lederkoffern. Diese historischen Einflüsse verlangten geradezu nach einer angemessenen Präsentation des neu erfundenen Porzellans. Déjeuners und vollständige Teeservices wurden speziell für Lederkoffer angefertigt. Die Initiative hierzu kam von August dem Starken, der das ebenso neue wie kostbare Material Porzellan zur Verfügung hatte. Um dessen luxuriösen Charakter hervorzuheben und eine standesgemäße Präsentation zu ermöglichen, wurden Lederkoffer mit Samtfutter für Service gefertigt, in denen jedes einzelne Stück ein genau bemessenes Fach erhielt.

An diesem Punkt trat Augsburg ins Spiel, das Zentrum der Gold- und Silberschmiedekunst mit maßgefertigten Lederkoffern – und zudem mit der Fähigkeit, Porzellan zu bemalen. Hier waren die Familien Auffenwerth und Seuter als Spezialisten bekannt. Während die Seuters jedoch einen Vertrag mit Meissen hatten und Porzellane zur Goldmalerei erhielten, mussten die Auffenwerths ihr Porzellan auf anderen Wegen beschaffen.

Der schwierige Zugang der Auffenwerths zu Meissener Porzellan ist der Hauptgrund, warum vollständige Service aus ihrer Werkstatt äußerst selten und nur vereinzelt erhalten sind. Anders verhält es sich mit den Porzellanen der Vertragswerkstatt Seuter, die sogar daran gehindert wurde, mit Höroldts farbenfrohen Chinoiserien zu konkurrieren. Daher spezialisierten sich die Seuters auf goldene chinesische Dekore, womit sie Höroldt über lange Zeit unterstützten. Die Auffenwerths hingegen waren die einzigen, die mit Höroldts polychromer Malerei konkurrieren konnten. Als alteingesessene Augsburger Werkstatt verfügten sie über die Farbpalette, die Muster, die Erfahrung und das Können in der Emailmalerei. Zudem beherrschten sie die opulente Augsburger Ornamentik, sodass sie prädestiniert waren – und die Einzigen –, die mit dem Meissener Monopol im Bereich der farbigen Chinoiserien mithalten konnten. Unser Service ist das beste Beispiel dafür:

Mit dem Spiegelmonogramm kennzeichnete Anna Elisabeth Wald, geborene Auffenwerth, das Service; zweifelsfrei kann die Malerei ihr zugeschrieben werden. Unser Service stellt das Highlight innerhalb ihres umfangreichen Œuvres dar. Ihr Spezialgebiet waren die farbenfrohen Chinoiserien im Höroldt-Stil. Sie mag Höroldts Vielfalt und Humor nicht erreicht haben, doch ihre besondere Stärke lag in der Verdichtung der Chinoiserie-Szenen à la Höroldt auf kleinstem Raum. Mit diesem Service – das zudem in den Koffer auf engstem Raum passt – hat sie diesen Effekt noch weiter gesteigert und auf ein neues Qualitätsniveau gehoben. Das Service im Koffer ist ein Schaustück ersten Ranges – ein prachtvolles Attribut für den Glanz und die Würde seines Besitzers.

Das Service besteht aus:

  1. Kaffeekanne
    Höhe: 19,7 cm / 16 cm (ohne Deckel)
    Böttger-Porzellan, unterglasurblaue frühe Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Abb. 382

  2. Teekanne
    Höhe: 14,1 cm / 9,7 cm (ohne Deckel)
    Keine Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Farbtafel X nach S. 36

  3. Schale
    Ø 16,8 – 17,4 cm / Höhe: 7,6 – 8 cm
    Keine Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Abb. 384

  4. Teedose
    Höhe: 11,6 cm / 10 cm (ohne Deckel)
    Keine Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Farbig abgebildet auf der Frontispizseite in Keramos 50 / 1970, S. 3

  5. Milchkanne
    Höhe: 13,9 cm / 10,5 cm (ohne Deckel)
    Keine Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Abb. 383

  6. Zuckerdose
    Höhe: 7,9 cm
    Frühe unterglasurblaue Schwertermarke mit Knäufen, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Farbabbildung V nach S. 10

  7. – 12. Sechs Becher mit großen Untertassen
    Becher: Alle mit früher, kleiner unterglasurblaue Schwertermarke mit Knäufen, keine eingeritzten Marken
    Höhe: 7,2 - 7,4 cm / Ø 7,4 - 7,5 cm
    Ein Becher abgebildet in Pauls-Eisenbeiss, S. 387
    Untertassen: Ø 13,4 cm / Höhe: 2,6 – 2,8 cm
    Keine Schwertermarke, keine eingeritzte Marke
    Abgebildet in Ducret I, Farbabbildung IX nach S. 32

  8. – 18. Sechs Tassen mit Untertassen
    Tassen: Fünf Stück mit unterglasurblaue Schwertermarke und Dallwitzs Nagel, zwei davon mit großen Schwertermarken mit Knäufen, eine Tasse ohne Marken
    Höhe: 4,2 – 4,6 cm
    Untertassen: Ø 12,5 – 12,7 cm
    Zwei Untertassen mit kleiner unterglasurblaue Schwertermarke
    Abgebildet in Ducret I, Abb. 385

Sechs vergoldete Silberlöffel von Elias Adam mit „EA“-Marke, Augsburg 1731 – 33

Abmessungen des Koffers:
Breite: 62 cm, Tiefe: 46 cm, Höhe: 21,4 cm

Literatur

Clarke, Tim H.: Eine Meissen-Entdeckung – Sabina Auffenwert in Augsburg., In Keramos 60 / 1973

Ducret, Siegfried: Meissner Porzellan bemalt in Augsburg, 1718 bis um 1750. Band II: Bunte Augsburger Hausmalereien., Braunschweig 1972

Langeloh, Elfriede: Kofferservice von Anna Elisabeth Wald, geb. Auffenwerth und/oder Sabina Auffenwerth, verh. Hosennestel., Privatdruck 2010

Pauls-Eisenbeiss, Erika: German Porcelain of the 18th Century, The Pauls-Eisenbeiss Collection. 2 Bände, London 1972

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