Bedeutende Doppelhenkel-Écuelle mit Unterschale
Meissen, um 1722 (vor der Marke); bemalt mit frühen europäischen Landschaften von Johann George Heintze, die Goldkartuschen von George Funcke; Höhe: 11,6 cm (mit Deckel); Ø Unterschale: 17,9 cm
Provenienz: Lempertz, Köln, 19. November 2010, Nr. 15; Antique Porcelain Company (Sammlung Hanns und Elisabeth Weinberg), Sotheby’s, New York, 11. November 2006, Nr. 672; William Blackburn Collection, gem. Archiv APC (KFS 39/1957, S. 33 ff.)
Frühes Böttgerporzellan mit exzellenten sächsischen Landschaftsdarstellungen, entstanden in der frühen Phase der Meissener Porzellanmalerei. Die Bemalung lässt sich auf etwa 1722 datieren:
- vor Einführung der Schwertermarke (ab 1723);
- vor den Chinoiserien (ebenfalls ab 1723);
- ohne Goldmalerei innerhalb der Kartuschen (diese Technik wurde von Höroldt und seiner Werkstatt erst ab Frühjahr 1726 beherrscht; vgl. Boltz, Keramos 48/1995, S. 23);
- Kartuschenumrahmung in zwei Tönen von Eisenrot, ohne Purpur.
Die Goldbordüren stammen aus der Werkstatt George Funckes, der bis 1726 sämtliche Vergoldungsarbeiten für die Meissener Manufaktur in seiner Dresdner Werkstatt ausführte (Boltz, a.a.O.).
Die kraftvolle Landschaftsmalerei innerhalb der Kartuschen bildet eine eigenständige Gruppe innerhalb der frühesten Meissener Geschirrdekoration vor dem Aufkommen der Chinoiserien. Vergleichsbeispiele finden sich in der Sammlung Carabelli (S. 52 f.), Wark I (S. 108), Marouf (Nr. 99, Teekanne mit K.P.F.-Marke = 1722) sowie Margarethe Oppenheim (Nr. 797).
Die Zuweisung dieser Malereien war lange umstritten und wurde Johann Georg Mehlhorn zugeschrieben, was Pietsch jedoch zu Recht in Frage gestellt hat (Carabelli Nr. 12; Marouf S. 91). Mehlhorn und seine ältesten Söhne waren als Blaumaler tätig (Rückert, Biographische Daten, S. 176 f.); der älteste Sohn Johann Gottlieb war zur fraglichen Zeit noch gar nicht in Meißen beschäftigt (Rückert, ebd.). Pietsch hat die sächsischen Landschaften daher Johann George Heintze zugeschrieben – dem besten Lehrling Höroldts, der 1722/23 im zweiten Lehrjahr stand. Wahrscheinlich führte Höroldt bei diesen Arbeiten selbst noch die Hand.