Deckelterrine mit Unterschale
Terrine mit eckig gebrochenen Henkeln in „fernöstlicher Manier“ (s. u.), der Deckel mit vergoldeten Artischockenknäufen (s. u.). Reich bemalt mit Chinoiserien in Gold- und Lüsterkartuschen.
Meissen um 1725
Maße: H. mit Unterschale 11,1 cm; H. ohne Unterschale 10,3–10,4 cm; Terrine H. 7,1 cm, Ø 10,6–10,8 cm; Deckel H. 4 cm, Ø 11,4–11,5 cm; Unterschale H. 2,8–3,3 cm, Ø 18,5 cm
Alle Teile mit goldenem Passzeichen „2.“; die Unterschale mit großer, unterglasurblauer Schwertermarke.
Provenienz: Lempertz, 19.11.2004, Nr. 55
In den wöchentlichen Berichten „über die Tätigkeiten der Meissener Dreher und Former vom 6. Juni 1722 bis 31. Dezember 1728“ (Boltz in Keramos 178/2002) wird unsere Terrinenform als „Olienbecher“ bezeichnet (siehe Boltz a. a. O., Abb. 66–68 u. 96–97). Passend dazu wurden „Deckel belegt mit Artischoken“ 1724 und 1726 für Reintel und Terrinen produziert (Boltz a. a. O., S. 98). Die eckige Henkelform bezeichnet Boltz als „fernöstliche Manier“ (a.a.O.).
Die Herstellung des Porzellans passt zeitlich gut zur Datierung der Malerei. Die Chinoiserien im Höroldt-Stil sind gerahmt durch Gold- und Lüsterkartuschen, die noch in der Dresdener Werkstatt von George Funcke geschaffen wurden. Die Arbeitsteilung zwischen Höroldt und Funcke, bei der Letzterer für den Gold- und Lüsterdekor zuständig war und Höroldt für die Bemalung der bunten Chinoiserien mit Emailfarben, endete 1726. Ab diesem Jahr gelang Höroldt die Anwendung des Golddekors, wodurch die Bemalung ab dann vollständig in Meissen erfolgte (Langeloh: 1726 — das Jahr der Wende in der Meissner Goldmalerei. 2023).
Die Bemalung unserer Terrine fällt in die Zeit kurz vor diesem für Meissen so wichtigen Wendepunkt.
Vergleichsstücke: Boltz a. a. O.