A110

Koppchen mit Unterschale mit früher Marine von Johann Gregorius Höroldt

Meissen, 1723
Maße: Koppchen: 4,5 cm hoch; Unterschale: Ø 12,7 cm
Marken: Unterglasurblaue Schwertermarke; eingeritztes „/“ an den Innenrändern der Standringe; Goldnummer „73“ auf beiden Teilen

Provenienz

  • Sammlung Roswitha und Said Marouf, Nr. 83
  • Nachlass J. A. Grothe von Schellach, Rotterdam – versteigert Sotheby’s London, 8. Dezember 1970, Los 129
  • Eigentum eines Gentleman – versteigert Christie’s London, 8. Dezember 2003, Los 118

Weitere Teile aus dem Service

  • Sotheby’s London, 8. Dezember 1970, Lose 124–134 (unser Stück = Los 129)
  • Teil des berühmten frühen Höroldt-Services, vgl. Lübke I, Nr. 92 = Christie’s London, 22. Juni 1992, Nr. 111 = Sotheby’s Zürich, 10. Dezember 1997, Nr. 425
  • Carabelli, Nr. 22 = Sammlung Albert Weitnauer – Christie’s Genf, 11. November 1985, Nr. 369
  • Christie’s, 2. Februar 1976, Nr. 38 – zwei Koppchen
  • Kaffeekanne mit Aufglasur-Schwertermarke am Rand (Arnhold Nr. 119) = Sammlung Wolf, Bonhams, 17. Juni 1998
  • Teekanne (Rasmussen, Auktion 9. Juni 1971) = Abgebildet in: Weltkunst, September/Oktober 1971
  • Christie’s Genf, 13. Mai 1985, Nr. 179

Zum Service
Unser Koppchen mit Unterschale gehört zu einem bekannten und frühen Meissener Frühstücksservice mit Seeprospektmalerei, das sich durch folgende Merkmale auszeichnet:

  • die frühe Entstehung im Jahr 1723
  • die brillant in Szene gesetzten Marine Sujets
  • die eigenhändige Ausführung durch Johann Gregorius Höroldt
  • die identische Goldnummer „73“
  • die übereinstimmende Kartuschenumrahmungen mit Gold, Lüster und Eisenrot-/Purpur-Rankenwerk
  • die für diese frühe Phase charakteristische, nicht zentrierte Schwertermarke, am Rand des Standrings

Zur Malerei
Ulrich Pietsch hebt in seiner Kommentierung des Koppchens aus der Sammlung Carabelli (Nr. 22) die präzise wiedergegebenen Schiffstypen hervor, die auf holländische Kupferstiche zurückgehen. Lübke (a.a.O.) schreibt über ein weiteres Koppchen aus diesem Service: „Man muss davon ausgehen, dass Höroldt selbst die Seeprospekt-Malerei nach Radierungen von Schenk jun., Reiner Nooms und anderen entwickelt hat. Wenn man Beispiele für Höroldts Arbeiten sucht, kommen diese Porzellane in Betracht: die balligen Wolken, die bis zum Horizont reichen – das Malen des Wassers mit fleckigem Blau – die Eigenwilligkeit des Motivs …“

Zur Schwertermarke
Die Aufglasur-Schwertermarke auf der Arnhold-Kanne (Nr. 119), die ebenfalls nicht zentriert, sondern in der Nähe des Standrings platziert ist, unterstreicht unsere frühe Datierung des Services mit 1723 (zur Einführung der Schwertermarke siehe "Halbchinesen-Service Meissen" in Langeloh 2019 S. 170).

Literatur

Cassidy-Geiger, Maureen: The Arnhold Collection of Meissen Porcelain 1710 – 50., London 2008

Langeloh, Elfriede: 100 Jahre. Porzellane und Fayencen des 18. Jahrhunderts. 1919–2019., Weinheim 2019

Lübke, Diethard: Porzellansammlung von Diethard und Regina Lübke., Schenkung an das Grassi Museum Leipzig. Privates Fotobuch mit Anmerkungen. 2 Bände. Eigenvertrieb 2015

Pietsch, Ulrich: Passion for Meissen. Sammlung Said und Roswitha Marouf., Stuttgart 2010

Pietsch, Ulrich: Frühes Meißener Porzellan. Sammlung Carabelli., München 2000

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